Was ist CBC? Cannabichromen, das seltene Cannabinoid erklärt
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Was ist CBC, und warum ist eines der ältesten bekannten Cannabinoide in den Verkaufsregalen bis heute fast unsichtbar geblieben? CBC (Cannabichromen) kommt seit seiner ersten Identifizierung durch das Team um Raphael Mechoulam im Jahr 1966 ganz unauffällig in Cannabispflanzen vor, direkt neben THC und CBD. Berühmt geworden ist es trotzdem nie. Es macht niemanden „high“, und in einem Markt, in dem Sichtbarkeit meist mit psychoaktiver Wirkung zusammenhängt, ist das eine ungewöhnliche Rolle. Im Folgenden geht es um seine chemischen Eigenschaften, die bisher noch überschaubare Forschungslage und darum, welchen Platz CBC tatsächlich in der Pflanze, im Regal und nach deutschem Recht einnimmt.
Inhaltsverzeichnis
TL;DR: CBC gehört zu den vier frühen Phytocannabinoiden, die bereits Mitte der 1960er-Jahre neben THC, CBD und CBG identifiziert wurden. Es ist nicht psychoaktiv. Präklinische Untersuchungen deuten vor allem auf Aktivität an den TRPA1- und TRPV1-Rezeptoren hin und nicht auf den CB1-Rezeptor, auf den viele Cannabinoide abzielen. Außerdem gibt es einige In-vitro-Hinweise auf einen schwachen, stereoselektiven CB2-Agonismus, was erklärt, warum sich das Profil von CBC deutlich von CBD oder CBG unterscheidet. Entzündungshemmende, möglicherweise neurogene und antibakterielle Hinweise gibt es bisher vor allem in Zell- und Tiermodellen. Klinische Daten am Menschen liegen kaum vor. In Deutschland und der EU ist CBC nicht als Betäubungsmittel eingestuft und kommt in kleinen Mengen in den meisten Vollspektrum-Hanfprodukten vor.
> Nine Realms vertreibt keine isolierten CBC-Produkte. Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken.
Vollständiger Name: Cannabichromen. Chemische Formel C₂₁H₃₀O₂. Vom Molekulargewicht her ähnelt es CBD, strukturell unterscheidet es sich jedoch deutlich: Der Ring ist anders geschlossen, und CBC bildet einen Chromenring statt der zyklischen Struktur, die CBD aufweist. Dieser eine geometrische Unterschied verändert, wie das Molekül an menschliche Rezeptoren bindet. Genau deshalb unterscheidet sich das pharmakologische Profil von CBC von dem seines bekannteren Verwandten.
Auch in der wissenschaftlichen Literatur ist CBC älter als viele Cannabinoide, die heute aktiv vermarktet werden. Gaoni und Mechoulam isolierten CBC 1966 an der Hebräischen Universität – in derselben Zeit, in der sie auch die Struktur von THC entschlüsselten. Sechs Jahrzehnte sind seitdem vergangen. Kommerziell wurde es aus einem einfachen Grund als „Neben-Cannabinoid“ abgetan: Es löst keinen Rausch aus.
Die folgende Übersicht zeigt, wo CBC im Vergleich zu den anderen Cannabinoiden steht, die den meisten Lesern bereits bekannt sind.
Cannabinoid |
Was es ist |
Rezeptoren |
Psychoaktiv? |
Rechtsstatus |
Evidenz |
CBC |
Chromen-Ringschluss aus dem CBG-Vorläufer |
TRPA1, TRPV1, möglicherweise CB2 |
Nein |
Nicht eingestuft |
Nur präklinische Daten |
CBD |
Pentylkette, zyklischer Ring |
CB2, TRPV1, 5-HT1A |
Nein |
Nicht eingestuft |
Umfangreiche präklinische und zunehmende klinische Daten |
CBG |
Das „Mutter“-Cannabinoid |
CB1 (teilweise), CB2 |
Nein |
Nicht eingestuft |
Einige präklinische und wenige klinische Daten |
THC (Δ9) |
Pentyl-Tetrahydro |
CB1 (starker Agonist) |
Ja |
Kontrolliert |
Gut erforscht |
Schauen Sie sich die CBC-Zeile bewusst genauer an: echte Rezeptoraktivität, keine psychoaktive Wirkung, eine recht unaufgeregte Rechtslage und nur eine dünne Beweislage. Das beschreibt die Verbindung ziemlich vollständig.
Hier unterscheidet sich CBC von den halbsynthetischen Neuheiten, über die Nine Realms kürzlich berichtet hat. Genau das ist wichtig, wenn man beantworten will, was CBC auf chemischer Ebene und nicht aus Marketingperspektive – eigentlich ist. CBC ist ein natürliches Phytocannabinoid. Es wird in der Pflanze aus CBGA (Cannabigerolsäure, dem sogenannten Mutter-Cannabinoid, weil die meisten Cannabinoide darauf zurückgehen) biosynthetisiert. Das pflanzliche Enzym CBCA-Synthase wandelt CBGA in CBCA um. Anschließend entsteht durch Hitze oder mit der Zeit durch Decarboxylierung das wirksame CBC.
Der natürliche Gehalt in der Pflanze ist gering und liegt bestenfalls im einstelligen Prozentbereich des gesamten Cannabinoidgehalts, oft sogar darunter. Diese Knappheit erklärt, warum isolierte CBC-Produkte teurer herzustellen sind als CBD- oder THC-Produkte: Im Rohmaterial ist schlicht von Anfang an nicht viel von dieser Verbindung vorhanden. Wenn also in einem Laborbericht zu einem Vollspektrum-Hanfextrakt CBC aufgeführt ist, stammt dieses CBC aus der Pflanze – nicht aus einem Reaktionskolben.
Was bewirkt CBC auf molekularer Ebene, also in einer Zelle oder in einem Tiermodell? Mehr lässt sich ehrlich gesagt derzeit kaum seriös behaupten, und deshalb muss diese Betrachtung vorsichtig bleiben. Kontrollierte Studien am Menschen zu isoliertem CBC gibt es bislang nicht.
Alle oben genannten Punkte brauchen dieselbe Fußnote: präklinisch, nicht klinisch. Was bei Mäusen oder in Zellkulturen funktioniert, lässt sich manchmal auf den Menschen übertragen, manchmal aber auch nicht. Die translationalen Aussichten für CBC sind daher weiterhin offen.
Alle drei Cannabinoide haben denselben Ausgangspunkt: CBGA. Welche pflanzlichen Enzyme dieses Molekül im weiteren Verlauf bearbeiten, entscheidet darüber, ob am Ende drei sehr unterschiedliche Profile entstehen. Genau darin liegt die Antwort darauf, warum CBC auf Rezeptorebene anders wirkt als seine beiden nächsten Verwandten.
Gleiches Ausgangsmaterial, drei unterschiedliche Endprodukte. Genau diese Divergenz macht die Frage nach dem Entourage-Effekt interessant. Vollspektrum-Hanfprodukte enthalten neben CBD, CBG, CBN, Terpenen und anderen Nebenbestandteilen geringe Mengen CBC. Die Entourage-Hypothese besagt, dass diese Kombination Wirkungen hervorbringen kann, die isoliertes CBD allein nicht erreicht. Plausibel ist das, weil die Verbindungen tatsächlich unterschiedliche Rezeptoren ansprechen und Rezeptor-Wechselwirkungen gut dokumentiert sind. Ob daraus für eine einzelne Person, die ein solches Produkt einnimmt, ein klinisch bedeutsamer Unterschied entsteht, ist jedoch weiterhin umstritten.
Kurz gesagt: Ja, CBC ist legal. CBC ist weder im Gesetz über neue psychoaktive Stoffe (NpSG) noch im KCanG aufgeführt und gilt auch sonst innerhalb der EU nicht als kontrollierte Substanz. Es kommt typischerweise in Vollspektrum-Hanfextrakten und CBD-Produkten vor, die auf dem europäischen Markt verkauft werden, sofern die üblichen Vorgaben zu Hanfgehalt und THC-Grenzwert eingehalten werden.
Die rechtliche Lage von CBC ist unaufgeregt, und genau das ist der entscheidende Punkt. Im Gegensatz zu den Grauzonen rund um halbsynthetische Stoffe wie HHC, HHC-O und THCh, über die Nine Realms an anderer Stelle berichtet hat, ist CBC ein natürlich vorkommender Pflanzenstoff ohne psychoaktive Wirkung. Deshalb haben die Regulierungsbehörden ihn nicht auf entsprechende Listen gesetzt; es gibt dafür bislang keinen erkennbaren politischen Anlass. Ein Vollspektrum-CBD-Produkt, dessen Analysezertifikat geringe CBC-Anteile ausweist, ist aus Sicht der Einstufung rechtlich genauso zu behandeln wie dasselbe Produkt ohne CBC. Das könnte sich ändern, falls irgendwann ein konkretes Sicherheitsrisiko sichtbar würde. Derzeit steht ein solcher Schritt nach aktuellem Stand jedoch nicht auf der Agenda deutscher oder europäischer Behörden.
Ein Punkt sollte getrennt von der Einstufungsfrage betrachtet werden: Isolierte CBC-Produkte, die zur oralen Einnahme bestimmt sind, können unter die EU-Verordnung über neuartige Lebensmittel (2015/2283) fallen. Dabei geht es um Lebensmittelsicherheit und nicht um die Frage, ob eine Substanz betäubungsmittelrechtlich kontrolliert wird.
Standardmäßige Drogentests am Arbeitsplatz oder bei Verkehrskontrollen suchen in der Regel nach THC-COOH, dem wichtigsten THC-Metaboliten im Urin. Genau deshalb ist die chemische Zusammensetzung von CBC relevant. CBC ist strukturell nicht ähnlich genug, um einen Standard-Immunoassay auszulösen; für sich genommen sollte es daher bei einem Test am Arbeitsplatz oder bei einer Verkehrskontrolle nach § 24a StVG kein positives Ergebnis verursachen.
Ein wichtiger Vorbehalt bleibt aber: Vollspektrum-Hanfprodukte, die CBC enthalten, enthalten oft auch THC-Spuren – bis zu dem gesetzlich zulässigen Grenzwert von 0,3 Prozent, der für die Hanfproduktion gilt. Bei starkem oder regelmäßigem Konsum von Vollspektrum-Produkten mit höherem CBC-Anteil könnten sich theoretisch genügend dieser THC-Spuren ansammeln, um ein positives Testergebnis auszulösen. Verantwortlich wäre in diesem Fall das THC, nicht das CBC. Isolierte CBC-Extrakte bergen dieses Risiko nicht; Vollspektrum-CBD-Öle manchmal schon.
Dieser Punkt sollte ausdrücklich erwähnt werden. Cannabinoide als Stoffgruppe können mit dem Cytochrom-P450-Enzymsystem (CYP450) interagieren, also mit jener Familie von Leberenzymen, die für den Abbau eines großen Teils verschreibungspflichtiger Medikamente verantwortlich ist. Für CBD ist diese Wechselwirkung mit CYP450 gut dokumentiert, sowohl in klinischen Fallberichten zu Warfarin als auch in Studien zu Antikonvulsiva, die bei Epilepsie eingesetzt werden. CBC wurde beim Menschen bislang nicht gezielt auf CYP450-Wechselwirkungen untersucht. Daher gibt es für CBC keine bestätigten Erkenntnisse in der gleichen Qualität wie für CBD. Wegen der strukturellen und pharmakologischen Nähe zu CBD ist dieselbe Vorsicht dennoch plausibel, und ehrlich gesagt hat bisher niemand belastbar ausgeschlossen, dass solche Wechselwirkungen möglich sind.
Praktisch heißt das: Wenn Sie verschreibungspflichtige Medikamente einnehmen – insbesondere Antikoagulanzien (Blutverdünner wie Warfarin), Antikonvulsiva (Medikamente gegen Epilepsie) oder Immunsuppressiva –, sollten Sie vor der Einnahme eines Cannabinoid-Produkts, einschließlich CBC, mit einem Arzt sprechen. Das ist keine bestätigte, spezifische Erkenntnis zu einer Wechselwirkung zwischen CBC und einem bestimmten Arzneimittel. Es ist vielmehr eine sinnvolle Vorsichtsmaßnahme, die sich aus dem allgemeinen Wissensstand zur Cannabinoid-Klasse ergibt und auf eine Verbindung angewendet wird, die noch nicht ausreichend getestet wurde, um solche Wechselwirkungen sicher auszuschließen.
Es lohnt sich, die Wissenslücken offen zu benennen, weil ein Großteil der deutschen Suchergebnisseiten (SERPs) genau das nicht tut. Die Evidenzbasis zu CBC enthält zwar echte präklinische Daten, aber der Sprung zu belastbaren Ergebnissen beim Menschen ist noch nicht gelungen:
„Wir wissen es noch nicht“ ist keine besonders befriedigende Antwort. Bei CBC ist es für die meisten wirklich wichtigen Fragen aber weiterhin die ehrlichste.
Wir verkaufen keine isolierten CBC-Produkte. Wir schreiben darüber, weil CBC die „was ist X“-Cannabinoid-Bibliothek für deutschsprachige Leser vervollständigt und weil ein großer Teil der deutschen Suchergebnisseiten (SERPs) noch immer zu viel aus präklinischen Arbeiten herausliest. Das Muster in unseren jüngsten Einführungen wiederholt sich: echte Wirkstoffe, echte, aber begrenzte Daten und ein stetiger kommerzieller Druck, fehlende Beweise in selbstbewusste Verkaufsargumente umzuwandeln. CBC bekommt hier stattdessen eine nüchterne Einordnung. Es steckt leise und unspektakulär in unseren Vollspektrum-CBD-Paketen, und zwar in den geringen Anteilen, die die Pflanze von Natur aus produziert. Genau dort wird ein europäischer Leser CBC am ehesten begegnen. Unsere Entlarvung des „THC 10ד-Mythos vertritt denselben Grundgedanken.
Was ist CBC in einem Satz? Ein echtes Cannabinoid mit einer dünnen Datenbasis. Die chemische Struktur ist klar: Chromenring, nicht psychoaktiv, Aktivität an TRPA1 und TRPV1. Auch der pflanzliche Ursprung ist eindeutig: CBC wird aus CBGA über die CBCA-Synthase biosynthetisiert. Die rechtliche Lage ist ebenfalls klar: Es ist dort, wo es darauf ankommt, nicht als Betäubungsmittel eingestuft. Die Forschung befindet sich noch im präklinischen Stadium. In Zell- und Tierversuchen wirkt sie vielversprechend, wurde aber bisher nicht in kontrollierte Humanstudien von nennenswertem Umfang übertragen.
Jede Behauptung über therapeutische Anwendungen ist den Daten derzeit noch voraus. CBC ist in fast jeder Hinsicht ein Neben-Cannabinoid – auch in Bezug darauf, wie viel wir tatsächlich darüber wissen. Was für CBC spricht, ist die Zeit. Es ist seit den 1960er-Jahren in Cannabis nachgewiesen, seine Pharmakologie wird eher gründlich untersucht als lautstark vermarktet, und es hängt keine größere rechtliche Unsicherheit an ihm.
„CBC ist seit 1966 in der Pflanze bekannt – die Forschung ist ihm nur noch nicht wirklich hinterhergekommen.“
CBC gehört zu den vier ursprünglichen Phytocannabinoiden, die Mitte der 1960er-Jahre neben THC, CBD und CBG identifiziert wurden. Seine chemische Formel lautet C₂₁H₃₀O₂. In der Cannabispflanze wird es aus CBGA, dem sogenannten „Mutter“-Cannabinoid, über die CBCA-Synthase biosynthetisiert und anschließend zu CBC decarboxyliert. Präklinische Forschung deutet auf Aktivität an TRPA1- und TRPV1-Rezeptoren sowie möglicherweise am CB2-Rezeptor hin, nicht jedoch am CB1-Rezeptor, den THC aktiviert. Kommerziell wird CBC weiterhin als Neben-Cannabinoid eingeordnet, weil es kein „High“ auslöst.
Nein. CBC aktiviert den CB1-Rezeptor nicht auf die gleiche Weise wie THC und verursacht deshalb kein „High“. Präklinische Untersuchungen deuten darauf hin, dass CBC vor allem mit den Vanilloid-Rezeptoren TRPA1 und TRPV1 sowie möglicherweise mit dem CB2-Rezeptor interagiert. Diese Rezeptoren stehen nicht für die typische psychoaktive Wirkung von THC. Genau darin liegt der zentrale pharmakologische Unterschied zwischen CBC und Cannabinoiden der THC-Klasse.
Ja. CBC ist weder nach dem Gesetz über neue psychoaktive Stoffe (NpSG) noch nach dem KCanG erfasst und gilt auch in anderen EU-Ländern nicht als kontrollierte Substanz. Es kommt normalerweise in geringen Anteilen in Vollspektrum-Hanfextrakten und CBD-Produkten vor, die gemäß den üblichen Vorschriften zum Hanfgehalt auf dem europäischen Markt verkauft werden. Im Gegensatz zu den Grauzonen rund um halbsynthetische Stoffe wie HHC, HHC-O und THCh hat CBC als natürlich vorkommender, nicht psychoaktiver Pflanzenstoff eine klare rechtliche Stellung. Eine separate Vorsichtsmaßnahme bleibt wichtig: Wenn Sie verschreibungspflichtige Medikamente einnehmen, insbesondere Blutverdünner, Antikonvulsiva oder Immunsuppressiva, sollten Sie mit einem Arzt sprechen, bevor Sie ein Cannabinoid-Produkt einnehmen. Die Cannabinoid-Klasse ist insgesamt dafür bekannt, mit dem CYP450-Enzymsystem der Leber interagieren zu können.