Nine Realms THCP Flower with terpenes close up image

Was ist THCP? Wirkungen, Rechtslage im Jahr 2026 und Produktübersicht

Geschrieben von: Jans Beloglazovs

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Lesezeit 15 min

THCP tauchte beinahe über Nacht in deutschen Cannabinoid-Foren auf, doch ein großer Teil dessen, was darüber behauptet wurde, war falsch. Die Abkürzung steht für Tetrahydrocannabiphorol, eine Verbindung, die erst 2019 identifiziert wurde. Die überall zitierte Zahl – eine rund 33-mal höhere Bindungsaffinität zu CB1-Rezeptoren als bei THC – wird ständig wiederholt, aber nur selten erklärt. Dieser Leitfaden zeigt, was die Verbindung tatsächlich ist und wie sich ihre rechtliche Einordnung seitdem in Deutschland und in der übrigen EU verändert hat. Eines sollten Sie vorab wissen: Die Vergangenheitsform spielt dabei eine größere Rolle, als viele andere Artikel vermuten lassen.

TL;DR: Ein seltenes Cannabinoid, das 2019 entdeckt wurde und sich in Labortests deutlich leichter an CB1-Rezeptoren bindet als THC. Eine höhere Bindungsaffinität bedeutet jedoch nicht automatisch ein entsprechend stärkeres High. Ein dokumentierter Fall aus dem Jahr 2025 zeigt allerdings, weshalb dieser Unterschied dennoch relevant ist. Seit dem 27. Juni 2024 sind Herstellung, Verkauf und Handel in Deutschland nach dem NpSG verboten. Frankreich hatte THCP bereits einige Wochen zuvor, am 3. Juni 2024, verboten. Wird „THCP“ heute noch in einem deutschen Shop angeboten, handelt es sich wahrscheinlich um alte Lagerbestände oder um ein falsch bezeichnetes Angebot, das nie entfernt wurde.

Was ist THCP?

Im Dezember 2019 isolierte ein italienisches Forschungsteam unter der Leitung von Cinzia Citti an der Universität Modena und Reggio Emilia Tetrahydrocannabiphorol, kurz THCP, aus der italienischen Cannabis-sativa-Sorte FM2. Die in Scientific Reports veröffentlichte Studie beschrieb eine Verbindung mit einer Alkylseitenkette aus sieben Kohlenstoffatomen. Damit ist sie zwei Kohlenstoffatome länger als die aus fünf Kohlenstoffatomen bestehende Seitenkette von THC. Genau diese zusätzliche Länge ist entscheidend. In Laborversuchen ermittelten die Forschenden eine etwa 33-mal höhere Bindungsaffinität zum CB1-Rezeptor als bei Δ9-THC (Ki: etwa 1,2 Nanomolar gegenüber rund 40 Nanomolar bei THC).


Im Gegensatz zu HHC, das synthetisch durch Hydrierung von THC hergestellt wird, kommt THCP natürlicherweise in der Cannabispflanze vor – allerdings nur in Spuren und in der Regel in einer Konzentration von deutlich weniger als einem Hundertstel Gewichtsprozent. Deshalb wurden nahezu alle bislang auf dem Markt angebotenen Produkte durch die chemische Umwandlung von CBD aus Hanf hergestellt. Eine direkte Gewinnung aus Pflanzen, die kaum THCP bilden, ist in größerem Maßstab schlicht nicht praktikabel. Wer ein als THCP bezeichnetes Produkt gekauft hat, hat daher mit hoher Wahrscheinlichkeit genau das erhalten: CBD aus Hanf, dessen Molekülstruktur im Labor chemisch umgewandelt wurde.

Nine Realms THCP Liquid close up

THCP auf einen Blick


THCP

Entdeckung

Dezember 2019; Citti et al., Scientific Reports

Untersuchte Ausgangssorte

FM2 (italienische Cannabis-sativa-Sorte)

Molekularer Unterschied zu THC

Seitenkette mit 7 Kohlenstoffatomen statt 5 bei THC

CB1-Bindungsaffinität

Im Labor etwa 33-mal höher als bei THC (Ki ca. 1,2 nM gegenüber ca. 40 nM)

Natürliches Vorkommen?

Ja, aber nur in Spuren; die meisten Produkte wurden aus CBD aus Hanf hergestellt und chemisch umgewandelt

Verkauf in Deutschland legal (2026)?

Nein, seit dem 27.06.2024 nach dem NpSG verboten

THCP-Wirkungen: Was die Forschung tatsächlich zeigt

Bei den meisten Aussagen zu diesem Thema wird ein entscheidender Punkt übersehen: Eine 33-mal höhere Bindungsaffinität in einem Labortest bedeutet nicht, dass der Rausch 33-mal stärker ausfällt. Die Bindungsaffinität beschreibt lediglich, wie leicht eine Verbindung an einen Rezeptor des Endocannabinoid-Systems bindet. Nicht mehr. Sie sagt nichts darüber aus, wie stark die daraus entstehende psychoaktive Wirkung tatsächlich ist, sobald folgende Faktoren berücksichtigt werden:


  • Stoffwechsel
  • Dosis
  • Verabreichungsform
  • und die individuelle Toleranz

Genau so sind Werte zur Bindungsaffinität einzuordnen. In der ursprünglichen Studie von 2019 zeigte sich in Tierversuchen tatsächlich eine stärkere cannabimimetische Reaktion als bei THC. Das ist durchaus bedeutsam, aber wesentlich enger und präziser als die online verbreitete Kurzformel „30-mal stärker“. Wer die Zahl als einfachen Wirkungsmultiplikator versteht, schreibt den Daten mehr Aussagekraft zu, als sie tatsächlich besitzen.


Verrät ein derart hoher Laborwert, wie intensiv Ihr tatsächliches High ausfallen wird? Nur indirekt – und genau das ist der entscheidende Punkt. Was Nutzer empfinden, basiert bislang überwiegend auf Erfahrungsberichten und nicht auf kontrollierten Studien am Menschen. Beschrieben wird meist ein Wirkungsspektrum, das einem starken THC-Erlebnis ähnelt: Euphorie, Entspannung sowie eine veränderte Wahrnehmung von Geräuschen und Licht. Mit steigender Dosis nimmt auch das Risiko von Angstgefühlen oder Paranoia zu, vor allem bei Menschen, die ohnehin dazu neigen. Fast alles, was über die konkreten Wirkungen kursiert – abgesehen von den Daten zur Rezeptorbindung –, stammt aus Online-Berichten und Forenbeiträgen. Dahinter stehen reale Menschen mit realen Erfahrungen, die jedoch nicht unter kontrollierten Laborbedingungen überprüft wurden. Entsprechend sollten diese Schilderungen als Anekdoten eingeordnet werden.


Völlig ohne Daten aus Studien am Menschen ist die Forschung allerdings nicht. Ein dokumentierter Fall sticht besonders hervor. Ein 2025 in PCN Reports: Psychiatry and Clinical Neurosciences veröffentlichter Fallbericht beschrieb einen 41-jährigen Mann, der regelmäßig THC konsumierte und keine psychotischen Vorerkrankungen hatte. Innerhalb einer Stunde nach der Einnahme eines einzigen Gummies mit 8 mg THCP entwickelte er akute psychotische Symptome und musste nach einem schweren Selbstverletzungsvorfall psychiatrisch notfallmedizinisch im Krankenhaus behandelt werden. Nach der stationären Behandlung erholte er sich. Aus einem einzelnen Fallbericht lässt sich nicht ableiten, wie häufig eine solche Reaktion vorkommt. Dennoch handelt es sich um reale, fachlich begutachtete Erkenntnisse: Eine stärkere Rezeptorbindung kann in der Praxis mit einer intensiveren und – wie in diesem Fall – gefährlichen Wirkung einhergehen, als sich allein aus Laborwerten ablesen lässt. Genau darin liegt der Unterschied zwischen einem abstrakten Wert zur Bindungsaffinität und einem bekannten, geringer wirksamen THC-Produkt.


Dieselbe Lücke zwischen Laborwerten und praktischer Wirkung zeigt sich auch bei den Wellness-Versprechen, die rund um THCP kursieren. Eine klare Einordnung ist wichtig, weil diese Behauptungen andernorts häufig ohne Einschränkungen wiederholt werden:


  • Neuroprotektive Wirkungen: Online-Quellen und erste Forschungsberichte lassen vermuten, dass THCP diese Eigenschaft möglicherweise mit anderen Cannabinoiden teilt. Studien am Menschen liegen bislang jedoch nicht vor. Die Behauptung ist daher als unbestätigte Annahme einzuordnen, für die belastbare Belege noch fehlen.
  • Appetitveränderungen: Cannabinoide werden allgemein mit einer Steigerung des Appetits in Verbindung gebracht, und auch Nutzer berichten bei THCP von diesem Effekt. Bislang handelt es sich jedoch lediglich um Erfahrungsberichte aus der Community; eine spezifische pharmakologische Grundlage für diese Aussage ist noch nicht belegt.
  • Schlafbezogene Wirkungen: Einige Nutzer berichten, THCP beeinflusse ihren Schlaf. Das entspricht den Beschreibungen, die auch zu anderen psychoaktiven Cannabinoiden zu finden sind. Wir haben gezielt nach kontrollierten Studien am Menschen zu diesem Thema gesucht, jedoch keine entsprechenden Untersuchungen gefunden.
  • Muskelentspannung: Auch eine muskelentspannende Wirkung wird anekdotisch beschrieben. Das passt zur allgemeinen „Cannabinoid-Folklore“ rund um die Pflanze: Glaubt man den Forenbeiträgen, scheint fast jedes Cannabinoid bei manchen Menschen die Muskulatur zu entspannen. Spezifische Forschung zu THCP liegt dazu nicht vor.

Keine dieser Aussagen ist als medizinische Beratung zu verstehen, und keine davon bedeutet, dass THCP eine Erkrankung behandelt. Dieser Abschnitt fasst lediglich zusammen, was online und in frühen Forschungsdiskussionen über mögliche Wirkungen gesagt wird – und kennzeichnet diese Aussagen bewusst als das, was sie derzeit sind.

THCP vs. THC: Die Kurzfassung

Eine ausführliche Gegenüberstellung finden Sie in unserem speziellen Vergleich „THCP vs. THC“. Im Folgenden sehen Sie die Kurzfassung, falls Sie vor allem die wichtigsten Zahlen benötigen.



THC (Delta-9)

THCP

Länge der Seitenkette

5 Kohlenstoffatome

7 Kohlenstoffatome

CB1-Bindungsaffinität (Labor)

Ausgangswert

ca. 33-mal höher

Rechtsstatus in Deutschland (2026)

Eingeschränkt (im Rahmen von BtMG/KCanG)

Verboten (NpSG, seit dem 27.06.2024)

Natürliches Vorkommen in Cannabis

Mäßig bis hoch

Extrem gering (Spuren)

Typische Herstellung

Direkte Extraktion aus der Pflanze

Chemische Umwandlung von CBD aus Hanf

THCP im Vergleich zu anderen Cannabinoiden

THCP vs. HHC


HHC verfügt nicht über die beeindruckende Stärke von THCP, behält jedoch weiterhin eine erhebliche Wirkstärke. Da THCP als stärker als THC gilt, ist es auch stärker als HHC und stellt damit eine potentere Alternative auf dem Cannabinoid-Markt dar.


THCP vs. HHCP


Die hydrierte Variante von THCP weist Ähnlichkeiten mit dem Ausgangsstoff auf. Dieses Verhältnis ähnelt dem zwischen HHC und THC, wobei HHC die hydrierte Form von THC darstellt. HHCP zeigt psychoaktive Eigenschaften und zeichnet sich durch eine länger anhaltende Wirkung aus.


THCP vs. H4CBD


Im Gegensatz zu THCP handelt es sich bei H4CBD um ein mild psychoaktives Cannabinoid, das aus CBD und nicht aus THC gewonnen wird. Das macht es zu einer attraktiven Option für alle, die ein entspannteres Erlebnis suchen.

Nine Realms THCP flower and pre-roll products on a rolling tray in the living room

Warum entschieden sich Menschen für THCP-Produkte?

100 % natürlich


Es handelt sich um ein natürlich vorkommendes Cannabinoid in der Cannabispflanze. In Kombination mit anderen Cannabinoiden verstärkt THCP deren Wirkung, so die verbreitete Beschreibung.


Hochpotent


Eine oft genannte Option für alle, die eine starke Wirkung erzielen möchten, ohne große Mengen Cannabis zu konsumieren, sowie für erfahrene Konsumenten mit hoher Toleranz.

THCP Formula

THCP-Produkte: Welche Formen waren tatsächlich auf dem Markt?

Obwohl Herstellung und Verkauf in Deutschland inzwischen verboten sind, ist es weiterhin sinnvoll, die verschiedenen Produktformen zu kennen, in denen THCP angeboten wurde. Vielleicht prüfen Sie gerade ältere Bestände, die noch in Ihrem Schrank liegen – wir fragen nicht, weshalb sie noch dort sind. Vielleicht stoßen Sie auf Reisen auf ein ähnliches Produkt und möchten wissen, worum es sich handelt. In beiden Fällen hilft es, die unterschiedlichen Formate und ihre Besonderheiten zu kennen.


Formate

Typischer Wirkungseintritt

Typische Wirkdauer

In der Regel geeignet für

Worauf Sie achten sollten

Vapes / Disposables

Innerhalb weniger Minuten

2 to 4 hours

Erfahrene Nutzer, die eine schnell einsetzende und dosierbare Wirkung wünschen

Nicht nachlegen, bevor die erste Wirkung vollständig eingesetzt hat

THCP-Blüten

Wenige Minuten (inhalativ)

2 to 4 hours

Nutzer, die Rauchen oder Verdampfen bevorzugen

Die Wirkstärke schwankt je nach Charge; unabhängige Laborberichte sind besonders wichtig

Öl / Destillat

30 Minuten bis 2 Stunden (sublingual/oral)

4 bis 8 Stunden

Nutzer, die eine rauchfreie und länger anhaltende Form bevorzugen

Entscheidend ist, ob die angegebene Konzentration tatsächlich stimmt

Gummies / Edibles

30 Minuten bis 2 Stunden

4 bis 12 Stunden

Einsteiger, die eine langsam einsetzende und vordosierte Form bevorzugen

Nicht zu früh nachdosieren; die Wirkung kann stärker und länger anhalten als erwartet

Tropfen / Liquid

15 bis 45 Minuten

3 bis 6 Stunden

Nutzer, die flexibel und in kleinen Schritten dosieren möchten

Wie bei Ölen gilt: Die Konzentration wird nicht immer unabhängig überprüft

Haschisch

Wenige Minuten (inhalativ)

2 to 4 hours

Erfahrene Nutzer, die traditionelle Harzprodukte kennen

Oft gemischt oder versetzt; die angegebene Wirkstärke kann irreführend sein

Vapes und Blüten waren auf dem deutschen und europäischen Markt lange die mit Abstand am häufigsten angebotenen Formate. Der Grund liegt nahe: Sie entsprachen den Produktformen, in denen THC bereits verkauft wurde, sodass die Konsum- und Kaufgewohnheiten der Kundschaft schon vorhanden waren. Gummies und Öle sprachen eher vorsichtige, auf eine kontrollierte Dosierung bedachte Käufer an. Haschisch blieb dagegen ein kleineres Segment und vor allem eine Nischenkategorie für Menschen, die bereits mit traditionellem Cannabisharz vertraut waren.


Vapes und Disposables waren vor dem Verbot die Produktformen, über die die meisten Menschen in Deutschland THCP kauften. Das lag vor allem daran, dass sie zu den Geräten passten, die viele bereits für THC- oder HHC-Produkte nutzten. Für den Wechsel des Cannabinoids musste lediglich eine neue Kartusche gekauft werden. Der entscheidende Nachteil war der schnelle Wirkungseintritt: Beim Inhalieren setzt die Wirkung innerhalb weniger Minuten ein. Dadurch ist es leicht, einen weiteren Zug zu nehmen, bevor die erste Dosis ihre volle Wirkung entfaltet hat. Dieses Risiko besteht bei allen inhalierten Cannabinoiden; bei THCP kann es angesichts der zuvor beschriebenen Bindungsaffinität besonders relevant sein.


THCP-Blüten (Flower) bedienten eine andere Nische. Da rohes Cannabis von Natur aus nur verschwindend geringe Mengen THCP enthält, handelte es sich bei praktisch allen als „THCP“ bezeichneten Blüten auf dem Markt um Hanfblüten, die nach der Ernte mit THCP-Destillat angereichert oder besprüht worden waren. Nur in äußerst seltenen Fällen enthielten die Blüten die Verbindung von Natur aus in nennenswerter Form. Für die Qualität war dieser Unterschied entscheidend. Wie gleichmäßig das Destillat verteilt war, unterschied sich stark von Hersteller zu Hersteller – schließlich ist das Besprühen von Hanfblüten mit Destillat eine ausgesprochen glamouröse Aufgabe. Eine unabhängige Laboranalyse war hier besonders wichtig, da sich das Cannabinoid in Flüssigkeiten oder Gummies deutlich leichter gleichmäßig verteilen lässt.


Unabhängig von der Produktform sollten Sie vor einem Kauf stets dieselben Punkte überprüfen. Diese Checkliste ist auch heute bei jedem Cannabinoid-Produkt sinnvoll: ein unabhängiger Laborbericht eines externen Prüflabors, der den tatsächlichen Cannabinoidgehalt bestätigt; eine eindeutig angegebene Konzentration statt einer vagen Formulierung wie „hohe Wirksamkeit“; transparente Angaben des Verkäufers dazu, ob das Produkt durch natürliche Extraktion oder durch chemische Umwandlung von CBD hergestellt wurde; und idealerweise eine Chargennummer, über die sich das Produkt eindeutig dem Laborbericht zuordnen lässt. Die chemische Umwandlung ist dabei mit Abstand die verbreitetere Herstellungsmethode.

Ist THCP legal? Die Rechtslage im Jahr 2026

Nein – jedenfalls nicht in Deutschland. THCP wurde gemeinsam mit HHC, H4CBD, HHCP, THCPO und mehreren weiteren halbsynthetischen Verbindungen durch dieselbe Fünfte Verordnung, mit der auch HHC verboten wurde, in das Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz (NpSG) aufgenommen. Das Verbot trat am 27. Juni 2024 in Kraft. Herstellung, Handel, Vermarktung, Einfuhr und Ausfuhr entsprechender Produkte sind in Deutschland illegal. Wie bei HHC wurde der private Besitz bereits vorhandener Bestände nach dem NpSG nicht gesondert unter Strafe gestellt. Einen legalen Weg, neue THCP-Produkte zu erwerben, gibt es in Deutschland derzeit jedoch nicht.


Wenn Sie derzeit bei einem deutschen Händler noch „THCP“-Produkte im Angebot sehen, ist Vorsicht geboten. Möglicherweise ist die Produktseite veraltet und wurde nie entfernt. Vielleicht wurde das Produkt auf eine rechtskonforme Verbindung umgestellt, ohne den begleitenden Text anzupassen – ein Muster, auf das wir bei der Überarbeitung dieses Artikels sogar auf unserer eigenen Website gestoßen sind; mehr dazu weiter unten. Es kann aber auch sein, dass der Anbieter die geltenden Vorschriften schlicht ignoriert. Keine dieser Erklärungen macht den Kauf von THCP in Deutschland legal.


Unabhängig von Verkauf und Abgabe bleibt außerdem Folgendes relevant: Übliche Drogentests, die auf THC-Metaboliten prüfen, können den Konsum dieser Verbindung ebenfalls nachweisen. Wer unter dem Einfluss eines psychoaktiven Cannabinoids fährt, setzt sich in Deutschland vergleichbaren rechtlichen Risiken aus wie beim Fahren unter THC-Einfluss. Diese praktischen Folgen verschwinden nicht dadurch, dass der Verkauf des Produkts verboten wurde.


Deutschland ist nicht das einzige Land, das reagiert hat. Frankreich war sogar einige Wochen früher dran. Durch einen Beschluss der ANSM mit Wirkung zum 3. Juni 2024 – etwas mehr als drei Wochen vor dem deutschen Verbot – wurde THCP in Frankreich in die Liste der kontrollierten Substanzen aufgenommen. Erfasst sind Herstellung, Verkauf und Konsum. Außerhalb Deutschlands und Frankreichs ist die Rechtslage zu THCP in der übrigen EU weiterhin äußerst uneinheitlich, und sie verändert sich so schnell, dass jede pauschale Aussage unseriös wäre. Mehrere EU-Mitgliedstaaten sind in den vergangenen zwei Jahren grundsätzlich gegen halbsynthetische Cannabinoide vorgegangen. Die Details unterscheiden sich jedoch von Land zu Land und hängen davon ab, welche Verbindungen ausdrücklich genannt werden. Verhindert ein solches Verbot, dass Menschen das Produkt beschaffen? In der Regel nicht sofort. Es bedeutet aber, dass jeder, der es weiterhin öffentlich verkauft, gegen geltendes Recht verstößt. Wenn Sie sich außerhalb Deutschlands oder Frankreichs befinden, prüfen Sie daher bitte direkt die aktuellen Vorschriften Ihres Landes. Ältere Artikel können sehr schnell überholt sein – dazu gehörte bis zu dieser Aktualisierung auch unser eigener.

Was sich verändert hat: Nine Realms und THCP

Früher führten wir THCP-Produkte im Sortiment, darunter auch eine Vape-Variante für Einsteiger. Bei der Recherche für diese Aktualisierung stellten wir fest, dass das in einer älteren Version des Artikels empfohlene Produkt bereits seit mehr als einem Jahr nicht mehr in seiner damaligen Form im Shop erhältlich war, sondern inzwischen neu formuliert worden war. In der Produktbeschreibung stand allerdings weiterhin „THCP-Destillat“. Das tatsächlich angebotene Produkt basiert heute auf T9HC, einer Verbindung, die den geltenden deutschen Rechtsvorschriften entspricht.


Der Artikel selbst war schlicht noch nicht an diese Änderung angepasst worden. Wir haben das nun korrigiert, statt eine ungenaue Produktbeschreibung online stehen zu lassen. Dieser Abschnitt dient auch nicht dazu, Sie zu einem Ersatzprodukt weiterzuleiten. Was Nine Realms aktuell verkauft, ist ein eigenes Thema. Hier geht es darum, THCP sachlich und transparent zu erklären, damit Sie sich ein vollständiges Bild machen können – unabhängig davon, welche Produkte wir derzeit anbieten.

Different Nine Realms THCP products on a beige product lifestyle photosession setting

Die Einschätzung von Nine Realms zu THCP

Offene Kommunikation ist immer besser als Übertreibung. Das gilt für Aussagen über eine Verbindung, die wir nicht mehr verkaufen, ebenso wie für alles, was aktuell in unseren Regalen steht. Es wäre leicht gewesen, den Artikel unverändert in der Fassung von 2025 stehen zu lassen: mit einem Verweis auf ein längst nicht mehr verfügbares Produkt, mit unzureichend belegten Gesundheitsversprechen, ohne Hinweis auf die inzwischen geänderte deutsche Rechtslage und insgesamt so formuliert, als hätte sich nichts verändert. Solche Fehler fallen leicht über längere Zeit nicht auf – zumindest so lange, bis jemand die Angaben tatsächlich überprüft.


Stattdessen haben wir die festgestellte Abweichung zwischen Artikel und Produkt korrigiert, die bislang fehlende rechtliche Aktualisierung ergänzt und klar herausgearbeitet, welche der genannten Vorteile tatsächlich durch Forschungsergebnisse gestützt werden und welche lediglich auf Online-Anekdoten beruhen.

Fazit

THCP verdankt seinen Ruf vor allem einem auffälligen Messwert: einer CB1-Bindungsaffinität, die in einer Laborstudie aus dem Jahr 2019 etwa 33-mal höher ausfiel als bei THC. Diese Zahl ist real, beschreibt jedoch ausschließlich die Bindung an einen Rezeptor unter Laborbedingungen. Das ist etwas grundlegend anderes als die tatsächliche Wirkstärke im Alltag. Gerade in dieser Lücke zwischen Laborwert und praktischer Wirkung entstand ein großer Teil des Online-Hypes um das Cannabinoid.


Falls Sie diesen Artikel in Deutschland lesen oder darüber nachdenken, THCP in einem anderen EU-Land zu kaufen, ist die wichtigste Information die Rechtslage. Herstellung und Verkauf sind in Deutschland seit dem 27. Juni 2024 verboten; Frankreich hatte bereits einige Wochen zuvor entsprechende Maßnahmen ergriffen. Artikel oder Produktangebote, die etwas anderes behaupten, sind schlicht veraltet.

Das eigentlich Interessante an THCP war nie allein seine mögliche Wirkstärke, sondern wie schnell sich die rechtlichen und kommerziellen Rahmenbedingungen rund um die Verbindung verändert haben.

FAQ

Ist THCP in Deutschland legal?

Nein. Herstellung, Handel und Verkauf von THCP sind in Deutschland seit dem 27. Juni 2024 verboten. An diesem Tag wurde die Verbindung durch dieselbe Gesetzesänderung, mit der auch HHC verboten wurde, in das NpSG aufgenommen.

Seit wann ist THCP in Deutschland verboten?

Seit dem 27. Juni 2024. Durch die Fünfte Verordnung zur Änderung der Stoffliste des NpSG wurden THCP, HHC, H4CBD und mehrere weitere halbsynthetische Cannabinoide gemeinsam erfasst und verboten.

Ist THCP anderswo in der EU legal?

Frankreich verbot THCP bereits einige Wochen zuvor durch einen Beschluss der ANSM, der am 3. Juni 2024 wirksam wurde. In den übrigen EU-Ländern unterscheidet sich die Rechtslage erheblich und kann sich kurzfristig ändern. Ein einzelner Artikel kann deshalb nicht sämtliche nationalen Regelungen zuverlässig abbilden. Prüfen Sie bitte immer unmittelbar die aktuell geltenden Vorschriften des jeweiligen Landes.

Wie stark ist THCP im Vergleich zu THC?

Laboruntersuchungen ergaben für THCP eine etwa 33-mal höhere Bindungsaffinität zum CB1-Rezeptor als für THC. Dieser Wert beschreibt jedoch lediglich die Rezeptorbindung und ist kein Multiplikator für die tatsächlich erlebte Wirkung. Ein dokumentierter Fallbericht aus dem Jahr 2025 zeigt dennoch, dass die Folgen in der Praxis schwerwiegend sein können. Wie intensiv die Wirkung tatsächlich ausfällt, hängt unter anderem von Dosis, Produkt, Toleranz und individueller Körperchemie ab.

Was sind THCP-Blüten?

Mit THCP angereicherte Blüten gehörten vor dem deutschen Verbot zu den häufig angebotenen Produktformen. In der Regel handelte es sich um Hanfblüten, die nachträglich mit THCP-Destillat beschichtet oder besprüht wurden. Da der natürliche THCP-Gehalt roher Blüten extrem gering ist, enthielten diese Produkte die Verbindung nur in den seltensten Fällen von Natur aus.

Was ist THCP-Öl?

THCP-Öl ist eine flüssige Darreichungsform, die üblicherweise sublingual, also unter der Zunge, oder oral eingenommen wird. Sie kommt ohne Rauchen aus, wirkt meist langsamer – typischerweise nach 30 Minuten bis 2 Stunden – und hält dafür länger an als beim Rauchen oder Verdampfen.

Wer hat THCP entdeckt?

Ein Forschungsteam unter der Leitung von Cinzia Citti an der Universität Modena und Reggio Emilia veröffentlichte die Entdeckung im Dezember 2019 in der Fachzeitschrift Scientific Reports. Untersucht wurde dabei die italienische Cannabis-sativa-Sorte FM2.

Was ist der Unterschied zwischen THCP und THC?

Der wichtigste strukturelle Unterschied ist die längere molekulare Seitenkette: THCP besitzt sieben Kohlenstoffatome, THC dagegen fünf. Dadurch bindet THCP in Labortests deutlich stärker an den CB1-Rezeptor. Abgesehen von diesen Unterschieden in Molekülstruktur und Bindungsaffinität ist die Forschung am Menschen bislang jedoch begrenzt. Weitere Einzelheiten finden Sie in unserem vollständigen Vergleich zwischen THCP und THC.

Ein Mann raucht Nine Realms Vape

Autor: Jans Beloglazovs

Als Antwort auf Europas strenge Cannabislandschaft wurde Jan zu einer bekannten Figur in der europäischen Cannabisindustrie durch umfangreiche Erfahrungen im Cannabusiness und ein tiefes Verständnis für die sich ändernden Trends in Europa. Als Mitbegründer der Cannabis-Marke Nine Realms nutzt er sein Fachwissen, um für fortschrittliche Cannabispolitik zu werben und ein breites Publikum aufzuklären.

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