Northern Lights: Wirkung, Abstammung und die Indica, die ein Genre geprägt hat
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Northern Lights erfüllt eine doppelte Rolle. Einerseits ist sie eine konkrete Cannabissorte, die Ende der 1980er Jahre von Sensi Seeds auf den Markt gebracht wurde. Andererseits ist sie die Sorte, die im Grunde mitdefiniert hat, was unter „Indica" verstanden wurde, sobald dieser Begriff in den Katalogen der Shops auftauchte. Die meisten modernen Indica-Genetiken tragen irgendwo ihren genetischen Fingerabdruck. Das sind hohe Erwartungen, denen eine Sorte erst einmal gerecht werden muss. Dieses Profil betrachtet die Pflanze und ihr Vermächtnis gemeinsam, geht auf umstrittene Details ein und lässt das reine Marketing bewusst außen vor.
Inhaltsverzeichnis
TL;DR: Northern Lights ist eine Indica-dominante Hybride, die meist als Afghani × Thai beschrieben wird und Ende der 1980er Jahre von Sensi Seeds in Amsterdam verfeinert und stabilisiert wurde. Der THC-Gehalt liegt üblicherweise bei etwa 16 bis 22 %. Das Terpenprofil wird von Myrcen dominiert – also von genau dem Terpen, das viele Menschen mit einem klassischen „Indica-High" verbinden. Die Wirkung geht deutlich in Richtung körperlicher Entspannung, Beruhigung, abendlicher Nutzung und Schlaf: kurz gesagt, das klassische Indica-Erlebnis. Der NL#5-Phänotyp ist Elternpflanze in Dutzenden berühmter Kreuzungen, und die meisten modernen Indica-Genetiken lassen sich auf die eine oder andere Weise auf ihn zurückführen.
Northern Lights ist eine Indica-dominante Hybride von Sensi Seeds, deren Kern auf afghanischer Genetik beruht und die auf der anderen Seite der Kreuzung eine thailändische Sativa-Elternpflanze mitbringt. Sie wurde Ende der 1980er Jahre auf den Markt gebracht, über mehrere Phänotypen hinweg verfeinert und von den Saatgutbanken rasch als Referenz-Indica übernommen. Wenn Sie sich unter einer „Indica-Sorte" etwas Schweres, Harziges, Schlafförderndes und Erdiges vorstellen, dann haben Sie im Grunde schon Northern Lights vor Augen. Das Klischee entstand durch diese Pflanze, nicht andersherum.
Eigenschaft |
Northern Lights |
Typ |
Indica-dominante Hybride (üblicherweise mit einem Verhältnis von etwa 95/5 angegeben) |
THC |
Liegt üblicherweise bei etwa 16 bis 22 % (einige Phänotypen erreichen höhere Werte) |
CBD |
Niedrig, in der Regel unter 1 % |
Herkunft |
Afghani × Thai (am häufigsten genannt), Ende der 1980er Jahre von Sensi Seeds auf den Markt gebracht |
Dominantes Terpen |
Myrcen (unterstützt durch Pinen, Caryophyllen und Limonen) |
Aroma |
Erdig, kiefernartig, süß und leicht würzig |
Wirkung |
Körperbetont, beruhigend, eher für den Abend geeignet und schlaffördernd |
Betrachten Sie die Zahlen eher als Spannen denn als exakte Werte. Jede Ernte bringt Abweichungen mit sich, und auch die veröffentlichten Quellen stimmen nicht in jedem Detail vollständig überein.
Die Entstehungsgeschichte besteht aus zwei Teilen und ist außerdem von einer ordentlichen Portion Legende umgeben.
Der erste Teil dieser Geschichte ist amerikanisch. Die ursprünglichen Northern-Lights-Sämlinge werden meistens auf Züchter im pazifischen Nordwesten zurückgeführt, irgendwo in der Gegend von Seattle, in den frühen bis mittleren 1980er Jahren. Im Kern war die Pflanze eine Afghani, in die eine Thai-Sativa eingekreuzt wurde. Angeblich wurden elf Phänotypen ausgewählt und als NL#1 bis NL#11 bezeichnet. Die meisten davon sind verschwunden. Einer jedoch nicht: NL#5.
Der zweite Teil ist niederländisch. Mitte der 1980er Jahre gelangten die ursprünglichen Samen – oder zumindest ein Teil davon – in die Niederlande. Sensi Seeds in Amsterdam übernahm das Projekt, stabilisierte die Linie und brachte Northern Lights auf den globalen Saatgutmarkt. Ende des Jahrzehnts war sie die Sorte, die man bei praktisch jedem kommerziellen Wettbewerb der europäischen Szene schlagen musste.
Wer sie tatsächlich zuerst gezüchtet hat? Das hängt davon ab, welcher Quelle man folgt. Als ursprünglicher Züchter wird häufig „The Indian" genannt; gleichzeitig ist die Sorte eng mit Neville Schoenmakers verbunden, der in jener Zeit die Samenbank von Sensi leitete. Die Quellen sind sich nicht vollständig einig, wem welcher Anteil an der Anerkennung zusteht. Wir weisen lieber auf diese Unstimmigkeiten hin, statt eine eindeutige Zahl oder Geschichte zu erfinden.
NL#5 ist die entscheidende Linie. Die meisten modernen Northern-Lights-Sorten lassen sich auf sie zurückführen, und die meisten Diskussionen nach dem Muster „Ist das echte Northern Lights?" laufen am Ende darauf hinaus, ob es sich bei der jeweiligen Pflanze tatsächlich um echte NL#5 handelt oder um eine spätere Kreuzung, die denselben Namen trägt. NL#5 zählt außerdem zu den produktivsten Elternlinien im Cannabisbereich. Eine kurze Übersicht zur Einordnung:
Es geht dabei nicht um bloße Nebensächlichkeiten. Der springende Punkt ist: Würde man NL#5 aus der Geschichte des Cannabis herausnehmen, würde man damit auch einen erheblichen Teil des modernen Indica-Sortiments entfernen. Nur wenige Sorten haben eine derart weitreichende Bedeutung. Noch weniger davon stammen aus den 1980er Jahren.
Wenn man ein Glas mit Northern Lights öffnet, ist der erste Eindruck erdig. Dahinter liegt Kiefer, süßer, als man vielleicht erwarten würde, dazu eine dezente Würze im Hintergrund. Der Rauch wirkt dicht und geschmeidig, aber nicht kratzig. Das Harz bleibt an den Fingern haften.
Im Vergleich zu anderen kräftigen Indica-Profilen wirkt Northern Lights klarer und geradliniger. Bubba Kush schlägt stärker in eine süße, beinahe kaffeeartige Richtung aus. Granddaddy Purple ist deutlich traubiger und sofort wiederzuerkennen. Northern Lights bleibt erdiger, eher bei Kiefer und feuchter Erde, weniger kandiert. Sie kommt dem näher, was ein Züchter der alten Schule wahrscheinlich meint, wenn er sagt: „Riecht wie echte Indica" – diese mineralische, leicht harzige und leicht süße Grundnote, die man bei vielen neueren fruchtigen Kreuzungen kaum noch findet.
Myrcen steht hier klar im Vordergrund. Dadurch verkörpert Northern Lights ziemlich genau das, was die meisten Menschen mit dem typischen Indica-Gefühl verbinden. Pinen rundet den grünen, harzigen Charakter ab. Caryophyllen bringt eine leicht pfeffrige Note hinein. Limonen ist in kleineren Mengen vorhanden und sorgt für eine feine Süße.
Warum ist Myrcen so wichtig? Weil es das häufigste Terpen in Cannabis ist und besonders stark mit einem körperbetonten, „couchigen" und leicht beruhigenden Profil in Verbindung gebracht wird. Es kommt auch in Hopfen und Mangos vor, weshalb beide immer wieder auftauchen, wenn über Indica-Wirkungen gesprochen wird. Kombiniert man Myrcen mit der körperlastigen Afghani-Genetik der Elternpflanzen, entsteht die klassische Abendkreuzung. Die Pflanze macht auf Terpenebene im Grunde dasselbe wie auf Cannabinoid-Ebene, und beide Ebenen verstärken sich gegenseitig.
Sie sind neu beim Thema Terpene? Unser Terpen-Leitfaden erklärt Ihnen, welche Wirkung die einzelnen Terpene in der Regel haben.
Der Wirkungseintritt ist sanft und baut sich in den ersten zehn bis fünfzehn Minuten auf. Es gibt keinen plötzlichen „Head Rush" und keinen dieser zerebralen Rauschzustände, wie man sie von einer Haze erwarten würde. Stattdessen merkt man, wie der Körper weicher wird, die Schultern sinken und hinter den Augen Ruhe einkehrt. Der Geist verlangsamt sich, statt Fahrt aufzunehmen. Der Raum fühlt sich näher und gedämpfter an. Grob lässt sich der Verlauf so beschreiben:
Bei höheren Dosen neigt Northern Lights zum „Couchlock". Bleiben Sie bei einer moderaten Dosis, wenn Sie eher funktionale Abendentspannung statt vollständiger Sedierung suchen. Diese Kreuzung ist nicht die richtige Wahl, um einen Arbeitstag zu beginnen. Um einen Arbeitstag ausklingen zu lassen, ist sie dagegen schwer zu übertreffen.
Northern Lights gewann zwischen 1989 und 1992 mehrfach den High Times Cannabis Cup, wobei die Kategorie „Pure Indica" für die Jahre 1989 und 1990 am konsequentesten dokumentiert ist.
Die genauen Angaben zu Jahr und Kategorie unterscheiden sich von Seite zu Seite leicht. Auch hier ist es sinnvoller, diese Abweichungen offen zu benennen, als eine scheinbar sichere Zahl zu erfinden.
Unbestritten ist jedoch ihr Einfluss. Nur wenige Indica-dominante Sorten haben den Katalog so stark geprägt wie NL#5.
Sie ist Elternpflanze in Dutzenden berühmter Kreuzungen, ein Bezugspunkt für neue Züchter und die am häufigsten zitierte Sorte, wenn jemand erklären möchte, was „Indica" eigentlich bedeutet. Auch nach vierzig Jahren ist sie noch immer der Maßstab, den viele Neuerscheinungen stillschweigend zu übertreffen versuchen. Den meisten gelingt das nicht.
Die meisten Sortenbeschreibungen lassen diesen Teil aus. In Deutschland findet sich Northern-Lights-Genetik auch in zugelassenen medizinischen Cannabissorten wieder, die über Apotheken abgegeben werden. Patientinnen und Patienten können im Rahmen des üblichen Programms „Cannabis auf Rezept" Cannabis verschrieben bekommen und eine bestimmte Sorte in der Apotheke erhalten. Apothekenversionen werden nach pharmazeutischen Standards geprüft und gekennzeichnet. Das bedeutet in der Regel konservativere THC-Werte und ein enger gefasstes Terpenprofil als bei einem Phänotyp aus einer Saatgutbank.
Wenn Sie sich für Northern Lights zu medizinischen Zwecken interessieren, ist die Apothekenversion die passendere Referenz, nicht die Variante für den Freizeitkonsum. Die Verfügbarkeit schwankt je nach Lieferkette.
Im Mittelpunkt stehen die Blüten. Northern Lights lässt sich sauber in Joints rauchen, eignet sich gut für Trockenkräuter-Vaporizer und lässt sich dank der harzreichen Grundstruktur von NL#5 hervorragend zu Haschisch pressen.
Viele Menschen kombinieren Northern Lights tagsüber mit einer lebhafteren Sativa und kehren abends wieder zu ihr zurück. Dadurch eignet sie sich gut für einen Wechsel im Tagesverlauf. Sie ist außerdem eine beliebte Wahl zur Schlafvorbereitung und zur Erholung nach dem Sport – einerseits, weil das körperbetonte Profil gut zu beidem passt, andererseits, weil die Wirkdauer verlässlich, aber nicht übermäßig nachhängend ist: Man kann abends eine kleine Dosis nehmen, ohne am nächsten Morgen noch deutlich etwas davon zu spüren.
Eine gute Sortenbeschreibung vermittelt, wie sich eine Pflanze anfühlt. Eine noch bessere erklärt, warum das überhaupt von Bedeutung ist. Northern Lights ist wichtig, weil fast jede Indica, der Sie begegnen, ihr in irgendeiner Form etwas verdankt. Nimmt man NL#5 aus dem Stammbaum heraus, bricht ein großer Teil des modernen Cannabis-Katalogs in sich zusammen. Die Pflanze hat sich ihren Ruf vor vierzig Jahren erarbeitet und verteidigt ihn seitdem leise, aber beständig. Wenn Sie eine ruhige, eher für den Abend geeignete Indica suchen, ist unser Blütensortiment der richtige Ausgangspunkt. Das Profil, das ihr in dieser Serie am nächsten kommt – falls Sie ein Gegenstück für den Tag suchen – finden Sie in unserer Jack-Herer-Hash-Kollektion mit drei verschiedenen Haschischsorten. Jack Herer enthält NL#5, deshalb ergänzen sich die beiden besser gemeinsam als getrennt.
Northern Lights hat sich bewährt, weil sie die Indica-Rolle besser ausfüllt als fast alles, was vor ihr kam, und als vieles, was danach kam. Die Pflanze wirkt authentisch. Ihre Abstammung ist einflussreich. Das Erlebnis ist zuverlässig – auf eine Weise, die neuere Kreuzungen trotz all ihrer Neuheit oft nicht erreichen. Betrachtet man diese Sorte als das, was sie ist, bekommt man die Referenz unter den abendlichen Indica-Sorten: in ihren Eigenheiten genau richtig ausbalanciert. Betrachtet man nur den Namen, hält man ein Stück Cannabis-Geschichte in der Hand, das den Katalog auch vierzig Jahre später noch still und leise prägt.
„Jede Indica seitdem verdankt Northern Lights etwas – die Frage ist nur, wie viel."
Northern Lights ist eine Indica-dominante Cannabis-Hybride, die meist als Afghani × Thai beschrieben wird und Ende der 1980er Jahre von Sensi Seeds in Amsterdam verfeinert und auf den Markt gebracht wurde. Der Phänotyp NL#5 ist die Linie, auf die die meisten modernen Northern-Lights-Sorten zurückgehen, und er ist Elternteil Dutzender berühmter Kreuzungen.
Northern Lights ist Indica-dominant und wird üblicherweise mit einem Verhältnis von etwa 95:5 angegeben. Die Wirkung ist eher körperbetont, entspannend und für den Abend geeignet, nicht zerebral oder klar auf den Tag ausgerichtet. Es ist die Sorte, auf der viele der ursprünglichen „Indica"-Klischees basierten.
Typisch ist ein sanfter Wirkungseintritt in den ersten 10 bis 15 Minuten, gefolgt von tiefer körperlicher Entspannung, einer weicheren und langsameren geistigen Wirkung als bei vielen Sativas, spürbarem Appetit und einem angenehmen Plateau von 3 bis 4 Stunden. Am besten passt Northern Lights zum abendlichen Genuss, zur Schlafvorbereitung und zu Aktivitäten mit geringer Reizintensität. Bei höheren Dosen kann die Wirkung in Richtung „Couchlock" gehen.