Was ist THCP-O? Wirkung, Rechtslage und eine ehrliche Einordnung
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THCP-O ist ein im Labor hergestellter Acetatester von THCP – und fast alles, was Sie online darüber lesen, stammt von den Händlern, die ihn verkaufen. Das sollte man im Hinterkopf behalten, bevor man sich die vollmundigen Angaben zur Wirkstärke im Einzelnen ansieht. Die Verbindung selbst existiert tatsächlich, mit veröffentlichter Struktur und einer Summenformel, die jeder nachschlagen kann – damit ist sie den neueren Cannabinoiden, die sich hinter dem Deckmantel des Betriebsgeheimnisses verstecken, schon einen Schritt voraus, denn dort lässt sich oft nicht einmal die Zusammensetzung nachprüfen. Alles, was über diese chemische Grundlage hinausgeht, steht dagegen auf einem völlig anderen Blatt. Die Angabe „30-mal stärker als THC“, die in nahezu jedem Blogbeitrag deutscher Händler auftaucht, geht auf eine Studie zu THCP zurück, nicht zu THCP-O. Die Acetat-Variante selbst hat bis heute niemand unabhängig vermessen, weder im Labor noch am Menschen.
THCP-O, teils auch als THCPO, THC-PO oder Tetrahydrocannabiphorol-O-Acetat bezeichnet, ist ein halbsynthetisches Cannabinoid. Es entsteht, wenn THCP mit Essigsäureanhydrid reagiert und dabei eine Acetylgruppe an das Molekül gebunden wird. In der Cannabispflanze kommt es nicht vor. Wie stark es im Vergleich zu THC wirkt, wurde beim Menschen bis heute nie unabhängig gemessen – trotz der selbstbewussten Multiplikatoren, die man überall zitiert findet.
Inhaltsverzeichnis
TL;DR: THCP-O ist THCP mit angehängter Acetylgruppe, hergestellt im Labor. Sämtliche kursierenden Angaben zur Wirksamkeit stammen aus der Forschung zu einem anderen Molekül. Das deutsche Recht erfasst die Substanz bereits, wenn auch nicht namentlich, und beim Erhitzen von Cannabinoidacetaten entsteht ein Risiko, das die meisten Verkäufer schlicht unerwähnt lassen.
THCP-O entsteht aus THCP, einem echten Phytocannabinoid, das Citti und Kollegen im Jahr 2019 identifiziert und in „Scientific Reports“ veröffentlicht haben. Also eine echte Pflanzenverbindung. THCP kommt in Cannabis natürlich vor, allerdings in so geringen Mengen, dass niemand es kommerziell aus Pflanzenmaterial gewinnt. Sein Erkennungsmerkmal ist eine Alkyl-Seitenkette mit sieben Kohlenstoffatomen, während gewöhnliches THC nur fünf besitzt. Genau diese längere Kette ist es, die das Molekül für Chemiker überhaupt erst interessant gemacht hat.
Dann hat jemand es acetyliert. Reagiert THCP mit Essigsäureanhydrid, lagert sich an der phenolischen Position eine Acetylgruppe an, und es entsteht THCP-O-Acetat mit der Formel C₂₅H₃₆O₃ und einer molaren Masse von rund 385 g/mol. An dieser Reaktion ist nichts Außergewöhnliches. Sie gehört zu derselben chemischen Familie wie jene, die Salicylsäure in Aspirin verwandelt, und wie jene, aus der aus gewöhnlichem THC das THC-O hervorgeht.
Diese Acetylgruppe bewirkt mehr, als ihre Größe vermuten lässt, und nahezu jede Frage, die zu THCP-O gestellt wird, führt am Ende auf sie zurück. Die Modifikation erhöht die Lipophilie des Moleküls, sodass sich die Verbindung leichter in Fett löst. Das acetylierte Molekül verhält sich damit wie ein Prodrug: Die Leber muss die Acetatgruppe erst durch Deacetylierung abspalten, bevor überhaupt eine pharmakologische Wirkung einsetzt. Auf dem Papier klingt dieser Zwischenschritt zunächst wenig spektakulär. Dieser zusätzliche Stoffwechselschritt erklärt jedoch, warum Anwender durchweg von einem langsameren Wirkungseintritt berichten als bei unveränderten Cannabinoiden, und warum beim Erhitzen mehr Vorsicht angebracht ist, als ihm üblicherweise entgegengebracht wird.
Nichts davon ist ein Geheimnis. Die Struktur ist veröffentlicht, der Syntheseweg dokumentiert – alles gängige organische Chemie. Was fehlt, zeigt sich erst danach, denn kein unabhängiges Labor hat bislang pharmakologische Daten zu THCP-O beim Menschen veröffentlicht. Selbst der Wikipedia-Eintrag beschreibt es als „angeblich starkes und langanhaltendes psychoaktives Cannabinoid“. Dieses eine Wort sagt bereits genug.
THCP-O |
THCP |
THC-O |
THC |
|
Herkunft |
Halbsynthetisches, acetyliertes THCP |
Natürlich, in Spuren in Cannabis enthalten |
Halbsynthetisches, acetyliertes THC |
Natürlich, der Referenzwert |
Wirkstärke |
Nie unabhängig gemessen |
33-fache CB1-Bindungsaffinität in vitro, kein Wert für die Wirkung beim Menschen |
~2–3-fach laut Angaben; seit den 1970er Jahren nicht reproduziert |
Referenzwert |
Wirkungseintritt |
Verzögert, Umwandlung des Prodrugs nötig |
Vergleichbar mit THC |
30–90 Minuten, laut Anwenderberichten |
5–30 Minuten (geraucht) |
Unabhängige Forschung |
Keine veröffentlicht |
Citti et al., 2019, ausschließlich Bindungsaffinität |
Begrenzt, überwiegend Jahrzehnte alt |
Umfangreich |
Rechtslage in Deutschland |
Fällt unter die Gruppendefinition des NpSG |
Fällt unter das NpSG |
Fällt unter das NpSG |
Kontrolliertes Betäubungsmittel |
Zwei Punkte in dieser Tabelle lohnen einen zweiten Blick. Der einzige tatsächlich gemessene Wert im gesamten Artikel bezieht sich auf THCP, und dabei handelt es sich um die Bindungsaffinität in der Petrischale. Davon bis zu der Frage, wie stark sich etwas im Menschen anfühlt, ist es ein weiter Weg. Sehen Sie sich anschließend die Zeile zur unabhängigen Forschung an. Sie ist nicht dünn besetzt, sondern schlicht leer.
Wer auf Deutsch nach „THCP-O“ sucht, stößt auf jeder Seite auf dieselbe Zahl: rund 30-mal stärker als THC, vorgetragen mit der Selbstverständlichkeit einer gesicherten Tatsache. Verfolgt man die Quelle zurück, führt die Spur tatsächlich irgendwohin. Nur eben an einen anderen Ort, als die Verkäufer nahelegen.
Die Citti-Studie von 2019 berichtete, dass THCP mit einer Affinität von etwa 1,2 nM an den CB1-Rezeptor bindet, gegenüber rund 40 nM bei Delta-9-THC. Aus diesem Verhältnis ergibt sich der Faktor 33. Die Zahl ist echt und von Fachkollegen begutachtet, und die Studie lässt sich in etwa einer Minute selbst aufrufen. Zwei Probleme entstehen erst dann, wenn man sie auf THCP-O überträgt.
Erstens ist Bindungsaffinität nicht dasselbe wie Wirkstärke. Eine Verbindung, die dreiunddreißigmal fester an einen Rezeptor bindet, erzeugt deshalb noch lange kein dreiunddreißigfach stärkeres High. Was man tatsächlich spürt, hängt von der Rezeptoraktivierung ab, vom Stoffwechsel, von der Dosis und davon, wie viel der Verbindung überhaupt im Gehirn ankommt. Die Forscher haben eine molekulare Wechselwirkung gemessen. Das Marketing hat daraus ein Erlebnis gemacht, das sich so nie aus den Daten ableiten ließ.
Das zweite Problem ist noch einfacher. Die Zahl gilt für THCP. THCP-O ist ein anderes Molekül: strukturell verändert, anders verstoffwechselt und nie eigenständig vermessen. Die Zahl trotzdem zu übernehmen, läuft auf einen stillen Austausch hinaus, und niemand, der ihn vornimmt, weist seine Leser jemals darauf hin.
Behauptung und Beleg nebeneinandergestellt:
Auch die Chronologie gerät beim Weiterreichen durcheinander. THCP wurde 2019 identifiziert, THCP-O erstmals um 2021 synthetisiert. Zwei Ereignisse, zwei Jahre, zwei verschiedene Moleküle – trotzdem gibt es Shop-Seiten, die 2019 als Entstehungsjahr des Acetats angeben, darunter einen Händler, dessen beide Artikel zur Verbindung unterschiedliche Jahreszahlen nennen (beide stehen weiterhin online). Die Verwirrung ist gut nachvollziehbar. Der Großteil dieser Inhalte wurde aus anderen Blogbeiträgen zusammengetragen.
Bei den Angaben zur Wirkstärke gehen die Zahlen noch weiter auseinander. Die meisten deutschen Seiten setzen etwa das Dreißigfache von THC an, mindestens eine Quelle beziffert es auf das Dreifache, und ein französischsprachiger Händler geht sogar bis auf das Sechzigfache hinauf. Erklärt oder auch nur eingeordnet wird diese enorme Spanne an keiner einzigen Stelle. Eine Erklärung liefe darauf hinaus, offenzulegen, woher die Zahl stammt.
Der Fairness gegenüber der Chemie halber: Ein tatsächlicher Unterschied in der Wirkstärke ist durchaus plausibel. Die Acetylierung verbessert die Aufnahme wirklich, und die lange Seitenkette des THCP bindet tatsächlich stärker. Nur lässt sich Plausibilität nicht messen.
Die Anwenderberichte sind einheitlich genug für eine Zusammenfassung, solange man sie mit Vorbehalt liest. Der Wirkungseintritt erfolgt langsam, spürbar langsamer als bei gerauchtem THC, was sich unmittelbar aus der Deacetylierung ergibt, die die Leber leisten muss, bevor die Substanz die Rezeptoren erreicht. Die Angaben zur Wirkdauer bewegen sich um sechs bis acht Stunden. Die Wirkung selbst wird als THC-ähnlich beschrieben, aber intensiver und länger anhaltend – und jeder, der das schildert, hat das Produkt zuvor selbst gekauft. Eine klinische Untersuchung, die diese Schilderungen überprüft hätte, steht bis heute nicht dahinter.
Der verzögerte Wirkungseintritt bringt ein ganz praktisches Risiko mit sich, das mit der Stärke der Verbindung nichts zu tun hat. Wenn eine Stunde lang nichts passiert, wirkt es völlig vernünftig, nachzulegen. Das ist der häufigste Grund dafür, dass Menschen am Ende deutlich stärker „high“ sind als geplant, und das gilt für jedes acetylierte Cannabinoid auf dem Markt.
Wir geben hier lediglich wieder, was Anwender berichten, mehr nicht. Bei einer Verbindung, zu der keine veröffentlichten Humandaten vorliegen, wäre jede weitergehende Aussage reine Spekulation.
Kaum jemand, der auf Deutsch über THCP-O schreibt, geht darauf ein, was bemerkenswert ist, denn es handelt sich um die verbreitetste Konsumform dieser Verbindung. Eine Ausnahme verdient Anerkennung: Das Hanf Magazin widmet dem Thema einen eigenen Abschnitt und gibt die Zahlen korrekt wieder. Jeder Shop, den wir geprüft haben, lässt diesen Punkt aus.
Erhitzt man ein Cannabinoidacetat über etwa 340 °C, kann die Acetatgruppe zerfallen und Ketengas freisetzen. Ketengas ist bereits ab fünf Teilen pro Million giftig. Der Spielraum zwischen unbedenklich und bedenklich ist damit ausgesprochen schmal. Eine im Jahr 2022 veröffentlichte Studie hat diesen Mechanismus als plausiblen Mitverursacher von Lungenschäden durch Vaping benannt, mit Mustern, die dem EVALI-Ausbruch ähnelten.
Entscheidend ist die Acetatgruppe, aus welchem Ausgangs-Cannabinoid sie stammt, spielt kaum eine Rolle. THCP-O ist ein Acetatester, genau wie THC-O, das wir in unserem THC-O-Artikel ausführlich behandelt haben. Dieselbe chemische Eigenschaft, die für die effiziente Aufnahme beider Stoffe sorgt, macht das Überhitzen zu einem Thema, das man ansprechen sollte. Kein Anbieter, den wir gefunden haben, tut das.
Nicht jedes Gerät erreicht diese Temperatur. Ob die Schwelle überschritten wird, hängt von der Coil-Temperatur und der Zusammensetzung des Liquids ab, und viele Geräte kommen im normalen Gebrauch nicht annähernd an 340 °C heran. Wer Ihnen dennoch versichert, beim Verdampfen bestehe kein besonderes Risiko, stellt eine Behauptung auf, die die Datenlage nicht hergibt. Die Acetatgruppe ist Vorteil und Risiko zugleich. In den Produktbeschreibungen der Anbieter steht davon regelmäßig nur die erste Hälfte.
Die meisten Artikel treffen es nicht genau und verfehlen den Sachverhalt in eine von zwei Richtungen. Die einen behaupten, THCP-O sei am 27. Juni 2024 gemeinsam mit HHC und THCP verboten worden, was zum richtigen Ergebnis führt, aber über den falschen Weg dorthin. Die anderen behaupten das Gegenteil, nämlich dass die Verbindung erst nach diesem Verbot als Umgehung auf den Markt kam und deshalb nicht darunterfällt. Die zweite Version ist schlicht falsch. Die erste kommt der Wahrheit nahe genug, um brauchbar zu sein, lässt aber offen, wie das Verbot tatsächlich auf THCP-O zutrifft – und genau dieser Mechanismus ist der interessante Teil.
Das deutsche Gesetz über neue psychoaktive Stoffe (NpSG) arbeitet nicht mit Listen einzelner Verbindungen, wie es das ältere Betäubungsmittelgesetz tut, sondern definiert Strukturgruppen. Alles, was unter eine solche Gruppendefinition fällt, ist erfasst, unabhängig davon, ob der Name der Verbindung jemals im Gesetz aufgetaucht ist. Die Fünfte Verordnung zur Änderung der NpSG-Anlage führte eine neue Untergruppe ein, die von 6H-Benzo(c)chromen-1-ol abgeleitete Verbindungen abdeckt und damit halbsynthetische, von THC abgeleitete Designer-Cannabinoide erfasst.
Die Begründung, die zusammen mit dieser Untergruppe veröffentlicht wurde, lohnt eine genaue Lektüre. Sie führt HHC und mehrere Derivate als Beispiele an und verwendet dabei die Formulierung „unter anderem“, wodurch die Aufzählung offen bleibt. Anschließend hält sie fest, dass die Beschreibung der Substituenten auch die bereits genannten Acetate sowie deren verlängerte Varianten und deren zyklisch gesättigte und aromatische Varianten umfasst. Erfasst sind Verbindungen, die die definierte Kernstruktur aufweisen und eine Molekülmasse von 600 u nicht überschreiten.
THCP-O ist ein Acetat. Seine Seitenkette mit sieben Kohlenstoffatomen macht es zu genau einer solchen verlängerten Variante. Die Molmasse von rund 385 u liegt deutlich unter der Obergrenze, und die Kernstruktur ist eben jenes Benzo(c)chromen-1-ol-Gerüst, das die Gruppendefinition nennt. Damit erfüllt es sämtliche Merkmale dieser Gruppe und fällt vollständig unter sie.
Der Gesetzgeber hat die Definition bewusst weit gefasst, weil er davon ausging, dass laufend neue Varianten auf den Markt kommen würden. Mit dieser Einschätzung lag er offensichtlich richtig. Im Dezember 2025 folgte eine sechste Verordnung, die dieselbe 6H-Benzo(c)chromen-1-ol-Gruppe erneut erweiterte und weitere Derivate einbezog, darunter 10-OH-HHC. Das Muster ist entscheidend: Jedes neue Cannabinoid, das als legaler Nachfolger des vorherigen vermarktet wird, fällt in aller Regel unter eine Definition, die schon vor seiner Markteinführung formuliert wurde.
Wenn Ihnen ein Shop in Deutschland erzählt, THCP-O befinde sich in einer rechtlichen Grauzone, dann nützt diese Darstellung dem Shop mehr als Ihnen. Gesetzestexte entwickeln sich in der Regel langsamer als Produkteinführungen. Dieser Text wurde geschrieben, um Schritt zu halten. Die Rechtslage ändert sich hier so oft, dass Sie vor jeder Entscheidung eine aktuelle Quelle prüfen sollten – auch diese Seite hier.
Wo Sie THCP-O kaufen können, verraten wir Ihnen nicht. Wir führen es nicht im Sortiment und verkaufen es auch nicht. Weit nützlicher ist es zu wissen, was „unreguliert“ in der Praxis bedeutet, wenn Sie vor einem Produktangebot stehen.
Die Verbindung gibt es in den erwartbaren Formen: Kartuschen und Einweg-Vapes, Destillat, Hanfblüten, die nach der Ernte mit THCP-O besprüht oder versetzt wurden, Haschisch und Gummibonbons. Die Unterscheidung bei den Blüten wiegt schwerer, als sie zunächst klingt. Was Sie kaufen, ist gewöhnlicher, schwach wirksamer Hanf, auf dessen Oberfläche ein halbsynthetisches Cannabinoid aufgebracht wurde, meist durch Besprühen. Die tatsächliche Wirkstärke hängt damit vollständig an einem Auftragsverfahren, das von keiner Seite kontrolliert oder dokumentiert wird.
Unreguliert heißt in der Praxis: Es gibt keine verpflichtenden Laboruntersuchungen durch unabhängige Dritte, und der Prozentwert auf dem Etikett entspricht deshalb genau dem, was der Lieferant des Verkäufers angegeben hat. Das gilt auch für ein Analysezertifikat, das zwar auf Verunreinigungen prüft, aber weder die Identität des Wirkstoffs noch dessen Konzentration bestätigt. Die meisten Käufer gehen davon aus, dass das Dokument beides leistet. Schwankungen von Charge zu Charge werden nicht offengelegt, weil niemand dazu verpflichtet ist. Fragen Sie nach, was im Analysezertifikat tatsächlich gemessen wurde, bevor Sie der Zahl auf der Vorderseite vertrauen.
Bei der Recherche zu diesem Artikel fiel uns ein Detail auf. Mindestens ein europäischer Händler, der einen Erklärartikel zu THCP-O veröffentlicht hatte, führt seine Produktreihe inzwischen als nicht mehr erhältlich, während der Artikel selbst weiterhin in den Suchergebnissen auftaucht und nach wie vor als aktuell gilt. Warum das so ist, lässt sich von außen nicht sagen. Vielleicht regulatorischer Druck, vielleicht eine ganz normale unternehmerische Entscheidung. Festzuhalten bleibt: Der Inhalt überlebt am Ende die Produkte, für deren Verkauf er ursprünglich geschrieben wurde.
Nine Realms verkauft kein THCP-O und hat es nie getan, und dieser Artikel ist kein Plädoyer für oder gegen die Entscheidungen anderer. Wir haben in dieser Sache nichts zu gewinnen. Genau deshalb konnten wir die Chemie und den Gesetzestext durchgehen, ohne auf ein bestimmtes Ergebnis hinarbeiten zu müssen.
Einen Punkt zu den Autoren, die über dieses Thema schreiben, sollte man sorgfältig benennen. Nahezu jede deutschsprachige Seite, die derzeit bei Suchanfragen zu THCP-O weit oben steht, wird von einem Unternehmen betrieben, das selbst Cannabinoide verkauft, in mehreren Fällen sogar die Verbindung selbst. Unehrlich ist damit niemand zwangsläufig. Die Texte stehen aber näher an der Kasse, als die meisten Leser vermuten, und das erklärt, wie sich eine geliehene Angabe zur Wirkstärke so weit verbreiten kann, ohne dass jemand innehält und prüft, welches Molekül damit eigentlich beschrieben wurde.
Entscheidend ist die Unterscheidung zwischen dem, was bekannt ist, und dem, was nur wiederholt wird. Die Struktur ist dokumentiert, die Synthese unkompliziert. Die Wirkstärke beim Menschen hat niemand gemessen, die Rechtslage in Deutschland ist geklärt und wird trotzdem falsch dargestellt, und das Verhalten beim Erhitzen findet fast nirgends Beachtung. Wenn Wirkung und Neuartigkeit den Reiz ausmachen: Unsere eigene T9HC-Produktreihe wurde genau nach diesem Prinzip entwickelt. Sie kommt mit Laborergebnissen geliefert, die Sie tatsächlich nachvollziehen können, und steht auf einer rechtlichen Grundlage, die nicht davon abhängt, wie man eine Definition auslegt.
THCP-O nimmt eine merkwürdige Stellung ein. Die zugrunde liegende Chemie ist real und unspektakulär – ein Acetatester, der aus einer Reaktion hervorgeht, die Chemiker seit über hundert Jahren durchführen. Alles darüber hinaus ist geborgt: ein Wert für die Bindungsaffinität, der von einem anderen Molekül stammt, ein Entdeckungsdatum, über das sich die Verkäufer selbst nicht einig sind, und eine rechtliche Grauzone, die in dem Moment verschwand, als die Fünfte Verordnung weit genug gefasst wurde, um auch diese Substanz zu erfassen.
Besonders gefährlich wird die Substanz dadurch nicht. Sie ist lediglich schlecht dokumentiert, und das lässt sich beheben. Der Großteil dessen, was über diese Verbindung im Umlauf ist, stammt von Leuten, die ein eigenes wirtschaftliches Interesse daran haben, dass sie in einem bestimmten Licht erscheint.
„Ein Wert, der an einem Molekül gemessen wurde, vermarktet stillschweigend ein anderes, und niemand, der es verkauft, hat einen Grund, diesen Tausch zu erwähnen.“
Nein. THCP-O ist THCP mit angehängter Acetylgruppe und damit eine chemisch eigenständige, halbsynthetische Verbindung. THCP kommt in Cannabis in Spuren natürlich vor und wurde im Labor untersucht. THCP-O entsteht dagegen erst durch die Reaktion von THCP mit Essigsäureanhydrid, und unabhängige Forschung dazu gibt es nicht. Beide werden häufig so besprochen, als ließen sich die Erkenntnisse zu THCP direkt auf THCP-O übertragen, und genau diese Annahme ist der Ausgangspunkt für den Großteil der Verwirrung.
THCP-O entsteht durch O-Acetylierung: THCP reagiert mit Essigsäureanhydrid, wobei sich eine Acetylgruppe an das Molekül anlagert. Das Ergebnis ist THCP-O-Acetat mit der Formel C₂₅H₃₆O₃. Es ist dieselbe Art von Reaktion, aus der aus gewöhnlichem THC das THC-O hervorgeht, und sie findet ausschließlich im Labor statt. Keine Pflanze der Welt bringt diese Verbindung von sich aus hervor.
Das weiß niemand, und jeder konkrete Multiplikator, der Ihnen begegnet, ist von anderswo übernommen. Die vielfach wiederholte Angabe „30-mal stärker“ stammt aus einer Studie von 2019, in der die Bindungsaffinität von THCP am CB1-Rezeptor gemessen wurde – sie liegt etwa beim 33-Fachen von THC. Untersucht wurde in dieser Studie allerdings ein anderes Molekül, und es ging um die Rezeptorbindung. Die gefühlte Wirkstärke ist eine andere Frage. Kein unabhängiges Labor hat bisher Daten zur Wirkung von THCP-O beim Menschen veröffentlicht.
Nein. THCP-O fällt über eine Strukturgruppendefinition unter das Gesetz über neue psychoaktive Stoffe (NpSG). Diese Definition erfasst von 6H-Benzo(c)chromen-1-ol abgeleitete Verbindungen, wozu Acetate und deren verlängerte Varianten ausdrücklich gehören. Maßgeblich ist die Struktur, weshalb Sie die Substanz auf keiner Liste finden werden. Herstellung, Handel und Einfuhr sind verboten, Besitz und Eigenkonsum stehen dagegen nicht unter Strafe.
Anhand von Belegen kann das niemand beantworten, denn zu Sicherheit, Pharmakokinetik und Langzeitwirkungen von THCP-O gibt es keine veröffentlichten Studien am Menschen. Das einzige konkret dokumentierte Risiko, das man kennen sollte: Cannabinoidacetate können bei Erhitzung über etwa 340 °C giftiges Ketengas freisetzen – ein Mechanismus, den eine Studie aus dem Jahr 2022 mit Lungenschäden durch Vaping in Verbindung gebracht hat. Dazu kommen die üblichen Nebenwirkungen von Cannabinoiden.
Ja. Sobald der Körper THCP-O deacetyliert und den Rest verstoffwechselt, folgt es demselben Stoffwechselweg wie andere THC-ähnliche Cannabinoide und bildet Metaboliten, auf die herkömmliche Immunoassay-Tests ausgelegt sind. Es ist kein acetyliertes Cannabinoid bekannt, das Routinetests umgehen könnte. Es für nicht nachweisbar zu halten, wäre deshalb ein teurer Irrtum.
Anwenderberichte liegen im Bereich von sechs bis acht Stunden, wobei die Wirkung im Vergleich zu unveränderten Cannabinoiden verzögert einsetzt, weil die Leber zuerst die Acetatgruppe abspalten muss. Keine dieser Angaben stammt aus kontrollierten Studien. Die Dauer hängt von Dosis, Stoffwechsel, Toleranz und Konsumform ab, und jede Quelle, die Ihnen eine exakte Zahl nennt, schätzt lediglich.
Anwenderberichte beschreiben die Wirkung als THC-ähnlich, aber intensiver und länger anhaltend, mit langsamerem Einsetzen. Wissenschaftlich bestätigt ist davon nichts. Die Beschreibung beruht auf selbst berichteten Erfahrungen mit nicht standardisierten Produkten, und die Schilderungen gehen weit auseinander. Da die Wirkstärke nicht überprüft und die Produktkennzeichnung nicht reguliert ist, können zwei identisch etikettierte Produkte in der Praxis durchaus sehr unterschiedlich wirken.